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Was die CDU für Salzgitter geleistet hat: Bilanz und Strukturwandel

CDU Salzgitter18. Juni 2026· 6 Min. Lesezeit

Was bleibt von fast zwei Jahrzehnten CDU-geführter Stadtspitze in Salzgitter? Diese Frage lässt sich nicht mit einem Satz beantworten – denn die Amtszeit von Oberbürgermeister Frank Klingebiel fällt mitten in einen der größten Umbrüche, den eine deutsche Industriestadt erleben kann. Stahl, Autos, Wasserstoff, Batteriezellen: In Salzgitter entscheidet sich gerade, ob der Strukturwandel zur Erfolgsgeschichte oder zur Krise wird. Dieser Beitrag zieht eine Bilanz – und unterscheidet dabei sorgfältig zwischen dem, was die Stadt und die CDU konkret bewirkt haben, und dem, was große Unternehmen sowie Bund und Land entscheiden.

Die Ausgangslage: eine Stadt unter Druck

Salzgitter ist mit rund 105.000 Einwohnern (Stand 2023) eine Großstadt mit besonderem Profil. Sie ist der drittgrößte Industriestandort Niedersachsens, geprägt von der Salzgitter AG (Stahl) und einem großen Volkswagen-Werk. Zugleich steht die Stadt vor erheblichen Herausforderungen: Die Einwohnerzahl ging gegenüber den späten 1990er Jahren um über 10.000 zurück, auch wenn sie sich zuletzt durch Zuwanderung leicht stabilisierte. Fachleute ordnen Salzgitter als „Wirtschaftsstandort mit sozioökonomischen Herausforderungen" ein. In dieser anspruchsvollen Gemengelage muss sich kommunale Politik beweisen.

Fördermillionen für die Stadt: Salzgitter-Fonds und Salzgitter-Hilfe

Ein roter Faden der Amtszeit Klingebiels ist das beharrliche Einwerben von Fördermitteln – ein Feld, auf dem ihm seine frühere Tätigkeit in der Kommunalaufsicht des Landes zugutekam. Nach Angaben der CDU geht der sogenannte Salzgitter-Fonds (2011) auf seine Initiative zurück: Rund 11,8 Millionen Euro von Bund und Energiekonzernen flossen in die Stadt; über zehn Jahre wurden daraus mehr als 450 gemeinnützige Projekte realisiert.

Hinzu kam die Salzgitter-Hilfe: Das Land Niedersachsen stellte ein Strukturhilfeprogramm in Höhe von rund 50 Millionen Euro bereit – für Bildung, Integration, Stadtentwicklung, den Wasserstoff-Campus und die industrielle Transformation. Vorgestellt wurde dieses Programm im Oktober 2019 gemeinsam mit Ministerpräsident Stephan Weil. Auch während der Corona-Pandemie profitierte die Stadt von übergeordneten Hilfen; nach CDU-Angaben kamen rund 40 Millionen Euro aus einem Bund-Länder-Hilfspaket zusammen.

Es ist fair, hier transparent einzuordnen: Viele dieser Zahlen stammen aus der Bilanz der CDU selbst und sind insofern als parteinahe Eigendarstellung zu lesen. Unbestritten ist jedoch, dass es einem Oberbürgermeister mit guten Drähten zu Land und Bund über Jahre gelang, erhebliche Sondermittel nach Salzgitter zu lenken.

Der Wasserstoff Campus: ein kommunales Leuchtturmprojekt

Besonders eng mit Klingebiel verbunden ist der Wasserstoff Campus Salzgitter. Hier ist die Rolle der Stadt und des Oberbürgermeisters konkret belegt: Klingebiel ist zweiter Vorsitzender des Trägervereins und bezeichnet den Campus als „Leuchtturmprojekt mit bedeutender Strahlkraft". Der Campus bündelt 13 Partner – darunter die Salzgitter AG, Bosch, MAN Energy Solutions, die TU Braunschweig und die Stadt Salzgitter – und forscht an Wasserstofftechnologien und alternativen Antrieben.

Das Land förderte Projekte am Campus mit insgesamt rund 4,7 Millionen Euro aus der Strukturhilfe; hinzu kamen Anfang 2025 weitere 2,5 Millionen Euro für das beteiligte Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik. Damit positioniert sich Salzgitter als einer der Knotenpunkte der niedersächsischen Wasserstoffwirtschaft – ein zukunftsweisendes Feld, in dem die Stadt aktiv Akzente setzt.

Der große industrielle Wandel: SALCOS und PowerCo

Die spektakulärsten Entwicklungen in Salzgitter sind die industriellen Großprojekte – wobei hier klar zu sagen ist: Über diese Investitionen entscheiden Unternehmen sowie Bund und Land, nicht die Stadtverwaltung. Die Kommune schafft Rahmenbedingungen, stellt Flächen bereit, beschleunigt Genehmigungen und betreibt Standortmarketing. Die Investitionsentscheidungen selbst fallen jedoch in den Konzernzentralen und Ministerien.

Das erste Großprojekt ist SALCOS – das Programm der Salzgitter AG für klimaneutralen „grünen Stahl". Statt Kohle soll künftig grüner Wasserstoff zur Direktreduktion von Eisenerz eingesetzt werden. Bund und Land erhöhten die Förderung für die erste Ausbaustufe auf rund 1,322 Milliarden Euro; die EU-Kommission genehmigte die Mittel Anfang 2026. Ziel ist es, die Stahlproduktion am Standort bis Ende 2033 vollständig umzustellen und die CO₂-Emissionen um bis zu 95 Prozent zu senken. Für eine Stadt, deren Identität untrennbar mit dem Stahl verbunden ist, geht es dabei um nichts weniger als die Sicherung ihrer industriellen Zukunft.

Das zweite Großprojekt ist die Batteriezellfabrik der Volkswagen-Tochter PowerCo – die sogenannte Gigafactory Salzgitter. Sie nahm Ende 2025 offiziell die Produktion auf und fertigt die „Einheitszelle" für Elektrofahrzeuge. Die erste Stufe ist auf bis zu 20 Gigawattstunden pro Jahr ausgelegt, ausbaubar auf bis zu 40 Gigawattstunden – genug für die Batterien hunderttausender E-Autos. Salzgitter fungiert dabei als Leitwerk für weitere PowerCo-Fabriken in Spanien und Kanada. Für die Stadt bedeutet das die Aussicht auf zukunftssichere Arbeitsplätze im Herzen der Mobilitätswende.

Bildung, Familie und Stadtentwicklung

Jenseits der großen Industrie hat sich die CDU-geführte Stadtspitze früh ein soziales Leitbild gegeben: das der „kinder- und familienfreundlichen Lernstadt". Nach Angaben der CDU schlug sich das in Investitionen nieder – etwa in neue Kindertagesstätten in Salzgitter-Bad, Lichtenberg und Thiede sowie in neue Grundschulen. Auch in Freizeit und Stadtbild floss Geld: in die Sanierung eines Thermalsolebades, in die Restaurierung der Burg Gebhardshagen, in den Umbau der Marktstraße in Salzgitter-Bad und in ein langfristiges Investitionsprogramm für die Feuerwehren.

Ein Aushängeschild der Stadtentwicklung ist der Salzgittersee, ein zentrales Naherholungs- und Wassersportgebiet direkt am Stadtteil Lebenstedt. Das angrenzende „Seeviertel" wurde 2008 in die Städtebauförderung aufgenommen. Zwischen 2023 und 2025 erarbeitete die Stadt zudem mit Bürgerbeteiligung neue Innenstadtkonzepte für Lebenstedt und Salzgitter-Bad – ein Versuch, den Zentren angesichts von Strukturwandel und verändertem Einkaufsverhalten neue Perspektiven zu geben.

Die schwierigen Themen: Integration und Demografie

Eine ehrliche Bilanz darf die Schattenseiten nicht aussparen. Salzgitter ist eine Stadt mit hoher Zuwanderung – über 100.000 Menschen aus mehr als 150 Nationen leben hier. Das stellt die kommunale Infrastruktur bei Wohnen, Sprachförderung, Kitas und Schulen vor enorme Belastungen. Das Land Niedersachsen erließ deshalb ab Oktober 2023 eine Wohnsitzauflage – faktisch einen Zuzugsstopp für anerkannte Flüchtlinge nach Salzgitter, der später verlängert wurde. Begründet wurde dies mit der Überlastung der Integrationsstrukturen.

Diese Maßnahme ist umstritten: Der Flüchtlingsrat Niedersachsen kritisierte sie als stigmatisierend. Zugleich erhielt Salzgitter erhebliche Landesunterstützung für Integration – nach CDU-Angaben rund 30 Millionen Euro aus dem Integrationsfonds zwischen 2017 und 2022, die höchste Zuweisung unter Niedersachsens Kommunen. Auch der demografische Wandel mit einer alternden Bevölkerung bleibt eine Daueraufgabe.

Fazit: Gestaltung im Umbruch

Die Bilanz der CDU-geführten Stadtspitze unter Frank Klingebiel ist die einer Stadt im Umbruch. Vieles, was Salzgitters Zukunft prägt – grüner Stahl, Batteriezellen, Wasserstoff – wird von Konzernen und übergeordneten Ebenen entschieden. Doch die Kommune hat diesen Wandel aktiv flankiert: durch Standortpolitik, durch das Einwerben von Fördermillionen, durch den Aufbau des Wasserstoff Campus und durch Investitionen in Bildung und Stadtentwicklung. Gleichzeitig ringt die Stadt sichtbar mit den Folgen von Zuwanderung und demografischem Wandel.

Unterm Strich steht eine pragmatische, fördermittelorientierte Politik, die Salzgitter durch eine historische Transformationsphase steuert. Ob aus dem industriellen Umbruch eine dauerhafte Erfolgsgeschichte wird, entscheidet sich erst in den kommenden Jahren – doch die Weichen dafür werden in der Gegenwart gestellt, in der Salzgitter zu einem der spannendsten Industriestandorte Deutschlands geworden ist.

Quellen: Stadt Salzgitter (salzgitter.de), cdu-salzgitter.de (Bilanz – parteinahe Eigendarstellung), Salzgitter AG / SALCOS, Volkswagen Group / PowerCo, Niedersächsisches Wirtschaftsministerium, Niedersächsische Staatskanzlei, Fraunhofer IST, regionalHeute, Wegweiser Kommune, Statista. Stand: Juni 2026.